Letztes Update: 11. December 2017

Grundlehrgang I & Methodikkurs

Im Methodikkurs, der zeitgleich mit dem Grundlehrgang I in Ottweiler stattfindet, lernt man, wie man guten Instrumentalunterricht gibt. In diesem Jahr waren wir drei Teilnehmer, die sich der Herausforderung gestellt haben. Unterrichtet wurden von Thomas Kronenberger und Ivette Kiefer Methodik, Didaktik und Musiktheorie.

Morgens ging es um 10 Uhr los mit einer Stunde Musiktheorie. Hier wurden uns vor allem Methoden gezeigt, wie man Kindern Notenwerte oder Intervalle beibringen kann. Aber auch Musiktheorie für Fortgeschrittene stand auf dem Plan. Hierbei handelte es sich vor allem um Tonleitern, Intervalle und Rhythmen. Direkt im Anschluss folgte eine Stunde Didaktik. Merkmale guten Unterrichts, Unterrichtsvorbereitung und Lernfelder waren hier unsere Hauptthemen. Nach diesen zwei intensiven Stunden stand erst einmal das Mittagessen auf dem Plan und danach die Mittagspause. Viel ausruhen konnten wir uns allerdings nicht, da wir unsere Einzelunterrichtswerke üben mussten und etwa jeden zweiten Tag eine fünfzehnminütige Unterrichtsprobe für den Nachmittag vorzubereiten hatten. Diese folgte dann nach dem Kaffee und Kuchen. Wir bekamen jeweils einen „Probanten“ aus dem Grundlehrgang I zugeteilt, dem wir die ersten Gitarren- bzw. Klavierstunden erteilen durften. Das sehr hilfreiche Feedback folgte direkt im Anschluss. Nach dem Einzelunterricht folgte dann die Orchesterprobe mit allen und um halb sieben das Abendessen. Später gab es das Vorspiel, bei dem jeder Teilnehmer ein Stück präsentierte und im Anschluss gemeinsame Spiele.

Mein persönliches Fazit sieht sehr positiv aus, da ich aus dieser intensiven Woche sehr viel Nützliches für meinen Unterricht mitnehmen kann und ganz nebenbei auch viel Spaß hatte.

von Manuel Heß 

 

Methodikseminar des BZVS 2017 

Parallel zum Grundkurs I für Gitarre und Mandoline fand auch dieses Jahr in der ersten Ferienwoche der Sommerferien das Methodikseminar für angehende Instrumentallehrer in der Landesakademie für musisch-kulturelle Bildung in Ottweiler statt. Innerhalb einer Woche unterrichteten die Dozenten Ivette Kiefer (Musiktheorie, Methodik und Didaktik) sowie Thomas Kronenberger (Lehrgangsleiter, Selbstmanagement und Rhetorik) 3 Teilnehmer im Alter von 16-31 in der Kunst des Instrumentalunterrichts.

Nachdem die Grundsteine guten Unterrichts bereits an Tag 1 definiert und in den folgenden Tagen ausführlicher besprochen wurden, begann bereits mit Tag 2 parallel zum Unterricht die praktische Umsetzung des gelernten. Mit eigenen interessierten Schülern, wurde es uns ermöglicht, in kleinen Schnupperstunden erste Einblicke in den Alltag eines Instrumentallehrers zu bekommen. Dazu gehörte auch eine intensive Unterrichtsvorbereitung, die stets in den am Nachmittag durchgeführt wurde.

Nach dem halten des Unterrichts wurde dieser stets in einer umfangreichen Feedbackrunde zusammen mit den Dozenten besprochen. Um ein schnelles Vorankommen zu garantieren, kamen die Dozenten zielgerichtet und detailliert direkt zum Thema. In den folgenden Unterrichtsstunden waren dadurch schnell Verbesserungen zu erleben.

Darüber hinaus war der Tag gut gefüllt. In täglichen Einzelunterrichtsstunden, der Mitwirkung im Lehrgangsorchester, sowie beim gemeinsamen Essen und abendlichen Spielen mit den Kindern des Grundkurses und später mit den Dozenten im Bistro, ging jeder Tag kurzweilig über die Bühne.

Insgesamt half mir das Seminar sehr, pädagogische Zusammenhänge zu verstehen und wie das „Erklären“ funktioniert. Denn das ist ein eigenes Fachgebiet, dass wir in 7 Tagen leider nur antasten konnten. Wiederholung im nächsten Jahr sehr wahrscheinlich   

von Moritz Schley

 

Erfahrungsbericht Inklusion

Ein besonders-normaler Grundlehrgang I des BZVS

Im Saarland ist für viele Nachwuchszupfer die erste Ferienwoche etwas ganz besonderes. Und das nicht nur, weil es die ersten schulfreien Tage sind, sondern, weil traditionsgemäß in dieser Woche der Grundlehrgang 1 stattfindet. Eigentlich war alles wie immer und irgendwie doch nicht. Schon im Vorfeld ergaben die zahlreichen Anmeldungen von Woche zu Woche eine immer bunter gemischte Teilnehmerliste – Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Jungs und Mädchen, Männer und Frauen, Gitarristen, Mandolinisten und Pianisten, aus verschiedenen Winkeln des Saarlandes und noch weit darüber hinaus, Musiker mit und ohne Handicap. Die Anmeldungen von drei blinden Musikern warfen zunächst einmal organisatorische Fragen auf.

Es galt den Betreuungsschlüssel zu optimieren. Das Team wurde um zwei zusätzliche fachkompetente Betreuerinnen verstärkt.  Die Auswahl ergab sich in enger Zusammenarbeit mit der Blindenschule in Lebach. Die zusätzlichen Personalkosten konnten mit Unterstützung des Saarländischen Sozialministeriums gedeckt werden, mit Mitteln die für inklusive Veranstaltungen unterschiedlicher Art beantragt werden können.

Bei Unsicherheit – Teilnehmer fragen. Natürlich gab es schon in der organisatorischen Vorbereitungsphase des Kurses Überlegungen, wie beispielsweise die Zimmereinteilung erfolgen sollte. Die Lösung war denkbar einfach. Die drei Nachwuchsmusiker wurden nach ihrer Meinung gefragt. Ihre Wünsche konnten erfüllt werden und die Zuteilung hat sich im Laufe der Woche bewährt.

Die inklusive Herausforderung an das Dozententeam bestand darin, die Begebenheiten so zu arrangieren, dass alle Angebote des Lehrgangs auch mit Handicap wahrgenommen werden können. Das Unterrichtsangebot des Lehrgangs besteht aus Einzel-Instrumentalunterricht, Kammermusik, Orchester, Rhythmus und Musiktheorie. Da die blinden Teilnehmer zu Beginn des Kurses keine Erfahrungen mit Notenschrift hatten,  erfolgte die Erarbeitung der neuen Stücke in erster Linie nach Gehör. Wie bei den allermeisten blinden Menschen ist eben diese besonders gut ausgebildet. Viele Blinde sind sogar Absolut-Hörer. Und auch die überdurchschnittliche Gedächtnisleistung ermöglichte ein zügiges Vorankommen. So stellte das Musizieren im Einzelunterricht, im Ensemble und im Orchester zu keiner Zeit ein Problem dar. Zudem spielt die Berührung im Instrumentalunterricht mit blinden Schülern eine besondere Rolle: beispielsweise bei der Einführung einer neuen Spieltechnik oder der Korrektur der Haltung. Wo verbale Erklärungen nicht ausreichen. Zwar sind blinde Menschen ein hohes Maß an Berührung gewohnt, wie das Führen in fremdem Terrain, doch sollte das Gegenüber vor einer Berührung stets um Erlaubnis fragen, um einen respektvollen, angenehmen Umgang zu gewährleisten.

„Musiktheorie Braille“ war das einzige Lehrgangsangebot, das für die blinden Teilnehmer separat angeboten wurde; aufgrund der mangelnden Vorkenntnisse einerseits und der Komplexität der Braille-Notenschrift andererseits. Ein solches spezielles Angebot, wie die Einführung in die Braille-Notenschrift kann selbstredend ausschließlich von einem Dozenten mit entsprechenden Fachkenntnissen bestehen. Aber ein Mangel an einem solchen Dozenten, also auch ein Mangel an einem solchen speziellen Angebot, hätte dem pädagogischen, musikalischen und sozialen Erfolg dieser Woche keinen Abbruch getan. Spezielle Angebote können sinnvoll sein, sind aber nicht zwingend erforderlich.

Die sogenannten Wiederholungstäter, gemeint sind jene Teilnehmer, die den Grundlehrgang 1 schon einige Male besucht haben, freuen sich auf die liebgewonnenen Traditionen. Das Blinzelspiel bei der morgendlichen Begrüßungsrunde ist genau das. Und wie erwarten, wurde der Wunsch danach laut. Wie der Name schon sagt, geht es darum einen Blickkontakt herzustellen, um jemanden zu sich zu Blinzeln. Das war das erste und einzige Mal im Laufe dieser Woche, dass dem Team schnell klar wurde, dieses Spiel können die blinden Teilnehmer nicht mitspielen.  Was tun? Die Wiederholungstäter vertrösten und ein anderes Spiel vorschlagen? Oder den Wunsch erfüllen und die blinden Teilnehmer somit davon ausschließen? Wir haben uns auch hier mit den betreffenden drei beraten, ihnen das Blinzelspiel erklärt und um ihre Meinung gebeten. Alle drei waren sich einig, dass es überhaupt gar kein Problem darstelle, wenn die anderen ihr Wunschspiel spielen. Auf ihren Vorschlag hin spielten sie selbst „Ich-packe-meinen-Koffer“.  Alle Teilnehmer hatten an diesem Morgen viel Spaß. Kein Grund für peinliches Berührtsein. Kein Verzicht auf Traditionen.

Berührungsängste sind ok. Der Großteil der Dozenten hatte keine Erfahrung mit Menschen mit Handicap – weder beruflich noch privat. Die Sorge, insbesondere dem Instrumentalunterricht nicht gewachsen zu sein, war groß. So herrschte bei der Zuteilung der Teilnehmer mit Behinderung zu den jeweiligen Dozenten zunächst betretenes Schweigen. Erzählungen über meine musikpädagogische Arbeit  sowie die Zusicherung einer beratenden Unterstützung haben sowohl die Neugier als auch den Mut der Dozenten geweckt. Und wie so oft, wurde der Mut belohnt. Die Kollegen, die im Laufe der Woche mit den blinden Teilnehmern arbeiten durften, beschreiben diese Erfahrung als durchweg positiv, für die Unterrichtssituation im Allgemeinen, für die Entwicklung des Schülers und auch für sich ganz persönlich im Besonderen. Dieses Resümee wurde in der abschließenden Feedbackrunde des Teams von ausnahmslos allen bestätigt. Persönliche Gespräche mit mehreren Teilnehmern – mit und ohne Handicap – unterstreichen das ebenso deutlich wie die Rückmeldung der Eltern. Ich wünsche mir persönlich, der saarländischen, bundesweiten und internationalen Zupferwelt, vor allem aber den Musikbegeisterten mit Handicap noch viel weitere besonders-normale Erfahrungen.

von Isabell Spindler

 

Inhalte
Kooperation
Landesorchester