Letztes Update: 11. December 2017

Grundlehrgang I und Methodikkurs

Erlebnisbericht über das Ottweiler Musikcamp „Gitarre und Spaß“

Am 25. Juli begannen in Ottweiler der Grundlehrgang 1 und der ein Methodikkurs für Musiker, die in ihren Vereinen unterrichten möchten. Meine Gitarrenlehrerin und ich reisten schon einen Tag früher an und ich lernte die Dozenten Isabell Spindler, Peter Knerner, Gianna de Fazio und den Leiter Thomas Kronenberger kennen. Thomas bat mich, einen Erlebnisbericht über diese Woche zu schreiben.

Es war 9:30 Uhr und die ersten Teilnehmer trafen ein. Hier waren alle Altersgruppen vertreten, d.h. die Jüngsten waren 7 Jahre alt und die Ältesten über 60. Der erste Programmpunkt war eine Versammlung in der Ellipse, dort sollten unter anderem später die Orchesterproben stattfinden. In der Ellipse stellte Thomas zunächst alle Lehrer und dann alle Regeln vor. Er bat einen anderen Teilnehmer (Mathias), welcher schon zum vierten Mal dabei war, allen Neulingen erst einmal die Einrichtung zu zeigen. Ich stellte später noch fest, dass es noch viel mehr Teilnehmer gab, die zum wiederholten Male hierher gekommen waren. Dies zeigt, dass das Camp etwas Einmaliges ist. Wir bekamen alle einen Zeitplan, der von jedem von uns individuell ausgefüllt werden musste. In der Lobby stand ein schwarzes Brett, an dem eine Übersicht aller Kurse zu sehen war. Es war etwas schwierig alle Kurse, die man belegen musste oder wollte, auf den vielen Zetteln überhaupt zu finden, aber die Lehrer und die „Großen“ halfen uns natürlich.

Unser Tagesablauf sah dann so aus:

Der Tag begann für alle um 7:30 Uhr mit dem Frühstück. Das Essen war wirklich sehr gut! Es gab immer ein Büffet mit Eiern, Wurst, Käse und Marmeladen. Um 8.30 Uhr gingen alle zum „Aufwachen“. Dort informierte uns Thomas, der Leiter, über alle Besonderheiten für den Tag. Anschließend wurde der Teamgeist gestärkt, in dem wir uns entsprechende Spiele überlegten. Sehr beliebt war „Das Zwinkerspiel“ oder auch „Wasserbombe“. Dabei ging es aber nicht um das gegenseitige Abwerfen, sondern die Wasserbombe musste mit gespannten Handtüchern gefangen und wieder weggeworfen werden. Das war gar nicht so einfach, denn sie durfte nicht platzen. Nachdem wir nun alle endgültig wach waren, begann für jeden der individuelle Tagesablauf.

Als ersten Programmpunkt belegte ich den Kurs „Kontrabass“. Der Kurs war freiwillig und Gianna unterrichtete uns. Wir waren 7 Personen und lernten in der einen Woche unsere Orchesterstücke auf dem Kontrabass zu spielen. Am Ende durften wir die Stücke sogar beim Abschlusskonzert mitspielen. Ich fand das wirklich eine starke Leistung von unserer Lehrerin, dass wir, obwohl wir keine Vorkenntnisse hatten, nach einer Woche schon so gut spielen konnten. Danach hatte ich erst einmal Pause, in der ich meine vielen unterschiedlichen Stücke üben konnte. Weiter ging es mit Musiktheorie. Es gab drei Gruppen. Ich besuchte den dritten Kurs. Wir wiederholten mit Isabell alles Wichtige aus der Musiktheorie und am Ende schrieben wir einen „Test“. Als Nächstes war „Rhythmus“ an der Reihe. Wir spielten gemeinsam verschiedene Rhythmen mit verschiedenen Instrumenten. Zum Abschluss führten wir einmal „Sauwetter“ und „Cheerleader“ von Omi auf. Als letzte Aktivität vor dem Mittag gingen wir zum Technikunterricht mit meiner Lehrerin. Dieser wurde sehr interessant von Madlen gestaltet und ist selbstverständlich wichtig. Dann gab es endlich Mittagessen. Ich sah die anderen wieder, konnte mich mit ihnen austauschen und das Essen war köstlich. Eine anschließende 1 ½ -stündige Pause hatten wir uns dann wirklich verdient. Ich saß meist mit Johanna bei den anderen und wir „schwätzten“, wie man im Saarland sagen würde, noch ein bisschen. Es war wirklich sehr lustig für mich, den anderen zuzuhören, wie sie sich auf Saarländisch unterhielten. Manchmal verstand ich es erst gar nicht, aber mit der Zeit wurde es immer besser.

Um 13.30 Uhr ging es weiter mit dem Einzelunterricht. Ich freute mich sehr auf den Klavierunterricht, weil es eine neue Erfahrung war. Als Schüler wurde ich im Methodikkurs von den angehenden Klavierlehrern unterrichtet. Im Anschluss kam die Kaffeepause. Auch in dieser wurden wir immer verwöhnt. Am Nachmittag standen „Ensemble“ und „Orchester“ auf dem Programm. Wir übten natürlich immer für unser Abschlusskonzert. Nach den Übungen spielten wir meistens das Mörderspiel. Dieses Spiel heißt so, weil ein Spieler alle anderen imaginär umbringen kann. Dazu zogen alle aus einem Kartenstapel mit einer Mörderkarte. Das Interessante an diesem Spiel war, dass es so lange dauerte, bis alle „tot“ waren. Gelang es, den „Mörder“ zu entlarven, überlebten alle anderen. Um 18:30 Uhr gab es Abendessen. Der letzte offizielle Programmpunkt war das „kleine“ Vorspiel, bei dem auch unsere Eltern zuhören konnten.

Die Abendveranstaltungen waren immer lustig und abwechslungsreich. Ein ganz besonderes Highlight für mich war „das Schwenken“, das ich als Thüringerin überhaupt nicht kannte und einfach dachte, dass wir grillen. Jetzt weiß ich auch, was Schwenken ist und kann sagen, dass es wirklich sehr lecker schmeckt und sich mit dem Thüringer Grillen messen kann. Auch sehr schön war der vorletzte Abend, bei dem wir viel lachten und „Der Kaiser schickt seine Minister aus“ spielten.

So verging die Woche schnell und unser großer Auftritt stand bevor. Er war musikalisch und künstlerisch sehr gelungen. Es machte ungeheuren Spaß, gemeinsam zu musizieren und die Zuhörer waren begeistert. Da es unser letzter Tag war, waren natürlich alle sehr traurig. Aber in Vorfreude auf das nächste Jahr und mit dem Gedanken, dass die Menschen ja nicht aus der Welt sind, ließ sich der Trennungsschmerz ertragen. Ich kann also nur von einem fantastischen Erlebnis berichten. Jeder, der sich für Musik interessiert, ist beim Grundlehrgang 1 in Ottweiler gut aufgehoben.

Kyra Knoth

 

Gitarre und Freu(n)de

Mit viel Spannung erwartete ich die Sommerferien 2015. Nach neun Jahren Arbeit im BDZ im Bundesjugendbeirat und Bundesmusikbeirat durfte ich, eingeladen durch Thomas Kronenberger, zum 1. Mal als Gitarrendozentin bei einem Grundlehrgang mitwirken. Dieser fand vom 25.7.-1.8.2015 in der Landesakademie in Ottweiler statt. Sogar eine Schülerin aus meiner Gitarrenklasse in Erfurt hatte ich begeistern können, mitzukommen. Eine herzliche und entspannte Atmosphäre herrschte sofort bei der Ankunft und der Dozentenbesprechung mit Thomas, Isabell Himbert, Gianna de Fazio und Peter Knerner am Abend vor Kursbeginn. Die Tage bestanden für die Teilnehmer aus Musiktheorie, Gitarren-/Mandolinenunterricht, Rhythmik, Technik, Kammermusik und Orchester. Ich war dabei für sieben Gitarrenschüler und den Technikunterricht für Fortgeschrittene zuständig. Kammermusikensembles hatte ich leider nicht, dafür gab es bei meinen Schülern eine große Bandbreite - angefangen vom jüngsten Teilnehmer mit sieben Jahren über einen semiprofessionellen Spieler, der eine komplette Rossiniana (von Mauro Giuliani) mit mir erarbeiten wollte, bis hin zu einer blinden Frau, der ich die ersten Gitarrenstunden gab.

Allen Teilnehmern gemeinsam war die große Offenheit und Herzlichkeit, mit der sie mir als einer vollkommen neuen Dozentin begegneten. Alle ließen sich sehr gut auf meinen Unterricht ein und waren offen für spieltechnische und musikalische Ratschläge. Auch die acht Kinder in der Technikstunde begegneten mir voller Neugier. Zwar machten die wenigsten bisher technische Übungen zu Hause, dennoch wurde in der Woche zuweilen ihr Ehrgeiz geweckt, wenn sie darum wetteiferten, wer am saubersten die „Raupe“ über die g-Saite spielen konnte. Bei der blinden Schülerin konnte auch ich viel lernen. Braucht man überhaupt seine Augen zum Musizieren oder sind die Ohren und der Tastsinn nicht viel wichtiger? Welche Methoden wendet man an, wenn der andere keine Noten lesen kann? Eine große Freude für mich war, dass diese Schülerin mit Akkorden auch alle Orchesterstücke begleiten konnte, die wir jeden Tag kurz vor dem Abendessen einstudierten. Das Orchester war für viele Kinder ein Highlight, weil neben den Zupfinstrumenten noch Kontrabass und diverse Percussionsinstrumente für einen tollen Gesamtklang sorgten.

Die Abende waren für die Kinder Freizeit oder wurden von den Dozenten gestaltet. Größten Spaß hatten wohl alle beim Spiel „Der Kaiser schickt seine Minister aus“, bei dem die Gruppen verschiedene Aufgaben möglichst schnell und gut bewältigen mussten, z.B. kreative Frisuren gestalten oder „Atemlos“ gurgeln. Als Thüringerin war mir natürlich die saarländische Tradition des Schwenkens total unbekannt, aber ich wurde optisch und geschmacklich voll überzeugt.

Ein toller Abschluss war dann am Samstag das Konzert für die Eltern mit Beiträgen der Rhythmusgruppen und des Kursorchesters.  Der Abschied fiel mir nicht leicht, weil mir die Kinder wie auch die anderen Dozenten sehr ans Herz gewachsen waren. Wir waren ein tolles Team, konnten uns sehr auf den anderen verlassen und hatten interessante fachliche Gespräche. Ich bin froh, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen!

Madlen Kanzler

 

Methodikkurs Juli 2015: Das Geheimnis guten Unterrichts

Guter Unterricht: Er ist die Voraussetzung für das eigenständige und erfolgreiche Beherrschen eines Instruments. Die drei Teilnehmer des diesjährigen Methodikkurses erhalten solchen regelmäßig und von klein auf. So entstand bei ihnen der Wunsch, ihr Können weiterzugeben. Doch was ist das Geheimnis guten Instrumentalunterrichts? Um der Antwort auf die Spur zu kommen, setzte Lehrgangsdozentin Ivette Kiefer bei den pädagogischen Grundlagen an: Durch die Kombination von Methodik und Didaktik sollen sowohl Wissen als auch Können vermittelt werden, der Schüler soll sich stetig verbessern und dadurch natürlich motiviert sein. Des Weiteren erklärte sie, dass nur durch die Kombination verschiedenster Methoden diese Ziele erreicht werden können.

Methoden: Diese durften die Teilnehmer jeden Tag selbst ausprobieren. Denn dadurch, dass zum gleichen Zeitpunkt der Grundlehrgang I stattfand, gab es genügend „Probanden“. Für sie war der Gitarren- und Klavierunterricht nicht weniger bereichernd als für die angehenden Instrumentallehrer. Damit diese sich ebenfalls stetig verbessern konnten, war es besonders wichtig, nach dem Unterrichten ein Feedback zu erhalten- natürlich konstruktiv und klar formuliert.

Die Teilnehmer profitierten zusätzlich von erstklassigem Unterricht in ihrem Instrument, der jeden Tag durch Ivette Kiefer (Klavier) und Madlen Kanzler (Gitarre) erteilt wurde. So konnte auch jeder ein anspruchsvolles Werk beim abendlichen Vorspiel präsentieren.

Die psychologischen und organisatorischen Aspekte griff Lehrgangsleiter Thomas Kronenberger auf: Er stellte das SMART-Modell zum erfolgreichen Erreichen von Zielen vor und zeigte den Teilnehmern, wie eine Schraube nur mit Gedankenkraft anfangen kann, zu schwingen… Also auch mentale Arbeit ist wichtig für den eigenen Erfolg.

Harmonielehre und Gehörbildung vermitteln: ein unverzichtbarer Bestandteil des Unterrichts. Ivette Kiefer schaffte es, Methoden zu vermitteln, wie Theorie am besten erklärt und in den Unterricht eingebaut werden kann, gleichzeitig forderte sie die Teilnehmer durch schwierige Aufgaben aus diesem Bereich ganz schön heraus. Neue Erkenntnisse selbst für die Fortgeschrittenen: Ein „Aha-Erlebnis“ war da keine Seltenheit! Am Schluss wurde das neu Erlernte sogar in einer freiwilligen Klausur abgefragt- natürlich erfolgreich!

Sein eigenes Instrument erfolgreich zu unterrichten ist eine bereichernde Kompetenz, die sowohl den Schüler, aber auch den Lehrer weiterbringt. Nach dieser Woche voller Musik, der Kombination aus Theorie und Praxis haben die Teilnehmer nun einen ganz anderen Blick auf den Unterricht, den sie erhalten und den, den sie in Zukunft geben werden. Gibt es also ein Geheimnis, das guten Unterricht ausmacht? Es ist wohl die Mischung aus Pädagogik, Organisation, Methodenvielfalt, Motivation… Was jedoch nie fehlen darf, ist die Begeisterung und die Liebe zur Musik!

Tabea Knerner

 



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