Letztes Update: 17. October 2017

im Jahr 2004

50 Jahre SZO

Bericht

Brillantes Jubiläumskonzert des SZO am 06.11.2004 im Saarbrücker Schloss
Vor 50 Jahren hätte kein Rezensent der Mandolinenmusik eine Entwicklung und Entfaltung auf künstlerischem Niveau zugetraut, keiner hätte 1954 dem überwiegend aus Dirigenten der saarländischen Mitgliedsvereine zusammengesetzten ersten Verbandsorchesters die Prognose gestellt, über Jahrzehnte erfolgreich zu wirken und einen führenden Platz in der Kulturland des Landes einzunehmen. Niemand konnte die literarische Entwicklung vom pseudo-romantischen Unterhaltungsstil in die Gefilde ernstzunehmender, gültiger, zeitgenössischer Musik vorhersagen. Das Saarländische Zupforchester hat Erfolgsgeschichte geschrieben und eine mehr als positive Bilanz aufzuweisen. Das halbe Jahrhundert ist erreicht. Grund zum Feiern !! Höhepunkt des Jubiläumsjahres zum 50-jährigen Bestehen und Wirken des SZO's war die als Jubiläumskonzert angekündigte Präsentation dieses saarländischen Elitezupforchesters. Der künstlerische Leiter, Reiner Stutz, der auch durch das Programm führte, erläuterte das Programmmotto: Von allen vormalige Dirigenten dieses Orchesters, die auch alle Komponisten waren, sollte ein repräsentatives Werk aufgeführt werden. Der in jeder Beziehung optimale Schlosssaal verlieh der gelungenen Aufführung das angemessen, festliche Ambiente.
Nach den Grußworten des BZVS-Präsidenten Thomas Kronenberger wurde das Programm mit einem konventionellen Werk von Hans Schmitt eröffnet. Hans Schmitt, ein verdienstvoller Pionier der saarländischen Mandolinenmusik hatte 1954 das erste Lehrgangsorchester zum Bundesorchester weiterentwickelte, aus dem das SZO hervorging. Die exzellente Wiedergabe seiner romantisch-folkloristischen "Ungarischen Skizzen" begeisterte nicht nur den anwesenden Komponisten.
Mit Heinrich Konietzny´s "So-na-Allochroisch" ging es - mit Oboe und Schlagwerk angereichert - in die zeitgenössische Avantgarde. Die lautmalerische Peking-Nachtigall, repräsentiert in der Solo-Oboe, von V. Kaliunas virtuos gespielt, brillierte über einem spektakulär kolorierten Klangteppich, den der Perkussionist Th. Gärtner und das Orchester effektreich webten.
Von Siegfried Behrend, dessen zeitgeschichtliches Wirken von R.Stutz hervorgehoben wurde, hätte man hunderte Werke aufführen können. Als er das Orchester 1960 neu formierte und zu einem hochkarätigen Ensemble formte, lag sein kompositorischer Schwerpunkt auf der Einrichtung geeigneter Barockmusiken. Auf seinen Tourneen durch die ganze Welt, die er damals als Ausnahmegitarrist unternahm, ließ er sich inspirieren, internationale folkloristische Werke für Zupforchester zu arrangieren. Darüber hinaus gilt er als Protagonist der Avantgarde und der Experimetell-Graphischen Musizierpraxis mit Zupfinstrumenten. Stellvertretend für sein frühes Wirken wurde eine Vivaldi-Adaption gewählt: das Concerto in D-Dur für Sologitarre und ZO. Dieses sehr populäre Werk wurde von dem jugendlichen Matthias Nicola ausgezeichnet interpretiert und vom Orchester sensibel begleitet.
Von Konrad Wölki, einem der führenden Zupfmusikexperten und Volksmusikpädagogen des 20. Jahrhunderts, erklang eine gemäßigt moderne Spielmusik mit dem Titel "Wechselspiele".
Der anwesende Komponist Helmut Fackler bedankte sich für die vorzügliche Wiedergabe seines "Divertimento", eine quasi cineastische Musik, mit lyrischen, motorischen und tänzerisch-burlesken Episoden.
Der nachfolgende Programmtitel, "Verwandlungen" von Reiner Stutz, war schwere Kost für Spieler und Zuhörer. Die kompositorische Idee ist die Verfremdung des motivischen Materials und der eingewebten Zitate. Die Realisierung dieser orchestralen Metamorphosen von sehr hohem Schwierigkeitsgrad wurde meisterhaft gelöst.
Aufsehenderregend war die Präsentation des "Konzertes für Cembalo und ZO" mit dem 16-jährigen Tobias Rößler als Solisten, mit dem das offizielle Programm abschloss. Das 20-minütige vitale Werk ist eine Art klanglicher Zeitreise von Bach bis Schönberg. Das Publikum forderte nach dieser souveränen Darbietung vom Solisten eine Zugabe, die er mit jugendlichem Charme bravourös meisterte.
Mit zwei Zugaben konnte das SZO auch noch Folkloristischunterhaltsames aus Behrends Feder darbieten. Bei diesen Piècen hätte allerdings eine Prise spontaner Spielfreude und "Augenzwinkern" den persiflierenden Charakter der Kompositionen verdeutlichen können.
Resümee: Ein alles in allem repräsentatives, interessantes Konzert; ein gelungener Abend; eine Zupfmusikpräsentation auf höchstem Niveau. Das Jubiläumsorchester zeigte sich an diesem Abend in exzellenter Form und meisterte die hohen technischen und musikalischen Anforderungen der Werke mit Akkuratesse, Verve und differenzierter Ausdrucksvielfalt. Herzlichen Glückwunsch dem Dirigenten und dem Orchester für diese vollendete Leistung und weiter so ins nächste halbe Jahrhundert.

Ein Bericht von Edwin Mertes


Saitenzauber auf höchstem Niveau (50 Jahre SZO Saarbrücker Schloss)


Kritik SZ vom 09.11.2004


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